Auszug aus dem Magazin "Get it"

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Kai Binnig, Autor der neuesten Ausgabe des Magazins "Get it", welches von Technischen Redakteuren der Hochschule Aalen geschrieben wird, hat Frank Sedler, einen Mitarbeiter der SL innovativ GmbH interviewt.

Anspruchsvoll und vielseitig – Technische Dokumentation als Dienstleistung

Wofür gibt es den Beruf des Technischen Redakteurs überhaupt? „Wer schon einmal eine schlechte Anleitung in der Hand hatte, weiß warum.

Ein Konstrukteur, Illustrator, Programmierer, Vertriebsmitarbeiter oder wer ansonsten noch mit der Produktion zu tun hat, kann die Informationen meist nicht so rüberbringen, dass der spätere Nutzer weiß, was er damit anfangen soll. Das liegt aber auch nicht im Aufgabenbereich dieser Personen, deshalb gibt es ja uns“, meint Frank Sedler ganz selbstbewusst.

Frank Sedler ist Projektleiter der Technischen Dokumentation bei der SL innovativ GmbH in Dinkelsbühl, einem Dienstleister für Technische Dokumentation. „Die Dokumentation ist rechtlich gesehen ein Teil des Produkts und sollte daher genauso professionell sein wie das Produkt selbst“, fügt der Technische Redakteur hinzu. Dabei ist die SL innovativ GmbH nicht nur Dienstleiter für Technische Dokumentation, sondern auch für Übersetzungen, Dokumentprüfungen, Illustrationen und eigentlich alles, was sonst noch zur Dokumentation gehört, selbst für Risikobeurteilungen und Validierung. Auch Schulungen für Redaktionssysteme werden gegeben, entweder im eigenen Haus oder direkt beim Kunden. Und das für Firmen aus allen möglichen Branchen, egal ob Pharma‑Industrie, Verpackungsmaschinenhersteller, Automobilindustrie oder Sondermaschinenhersteller.

Frank Sedler ist in Rumänien geboren, lebt aber schon fast sein ganzes Leben lang in Aalen. Zum damaligen Studienangebot Technische Redaktion an der Hochschule Aalen (mittlerweile in Technical Content Creation umbenannt) ist er eher ungeplant gekommen. „Ich hatte erst einen anderen Studiengang angefangen, aber nach dem ersten Semester gleich gemerkt, dass der nichts für mich war. Daraufhin habe ich mich in den Studienangeboten umgeschaut und bin auf das Studienangebot Technische Redaktion aufmerksam geworden. Nachdem ich mich dafür eingeschrieben hatte, habe ich gemerkt, dass mir das Studienangebot und die Studieninhalte gefallen und entschloss mich zu bleiben“, erinnert sich der ehemalige Student. „Hätte mich früher jemand gefragt, was ich später mal werden will, hätte ich wohl kaum Technischer Redakteur gesagt. Das hängt wahrscheinlich aber auch damit zusammen, dass das Berufsfeld immer noch recht unbekannt ist, zumindest gibt es kaum jemanden, der wusste, was ich eigentlich mache“, so der Absolvent des Abschlussjahrs 2016.


Allerdings ist man mit dem Abschluss „Bachelor of Engineering“ der Technischen Redaktion durch die breite Fächerung des Studienangebots für viele Berufsbilder gut gerüstet, bestätigt Sedler. Eine gewisse Technikaffinität und eine gute Auffassungsgabe sind auf jeden Fall von Vorteil, ebenso etwas Kreativität. Insbesondere sollte man keine Angst vor dem Umgang mit unterschiedlicher Software haben.

Der Beruf des Technischen Redakteurs ist dabei sehr abwechslungsreich und vielseitig. „Es passiert selten, dass ich länger als drei bis vier Wochen an nur einem Projekt arbeite“, berichtet Frank Sedler. „Außerdem bin ich oft bei Kunden, größtenteils in Süddeutschland, unterwegs“. Häufig arbeitet er parallel für verschiedene Kunden in (fast) allen gängigen Systemen, seien es Word, FrameMaker, InDesign oder diverse Redaktionssysteme.

Meist sind es Überarbeitungen von bestehenden Anleitungen, hin und wieder aber auch komplette Neuerstellungen. Ganz aktuell arbeitet er an der Überarbeitung einer Betriebsanleitung für ein kleines Unternehmen, das (nach eigenen Angaben) Weltmarktführer auf seinem Gebiet ist und in unzählige Länder auf der ganzen Welt exportiert. Die Bearbeitung der Betriebsanleitung erfolgt dabei in einem Redaktionssystem. „Da wir uns als Dienstleister oft nach den Kundenanforderungen richten müssen, benutze ich auch dementsprechend viele unterschiedliche Programme beziehungsweise Systeme“, erklärt Projektleiter Sedler. „Üblicherweise arbeite ich mit  den Redaktionssystemen TIM (Fischer Information Technology), Cosima (Docufy), bloXedia (pgx) und demnächst noch Schema ST4.
Andere Systeme, die unsere Kunden und ich öfters nutzen, sind Adobe InDesign und FrameMaker (strukturiert oder unstrukturiert) oder Microsoft Word. Für die Bild- und Grafikbearbeitung nutze ich meist Photoshop und Illustrator von Adobe, aber auch hin und wieder Corel Draw “, zählt er weiter auf. Dabei sind die Fähigkeiten eines Technischen Redakteurs entscheidend, so Sedler.

Eine gute Auffassungsgabe ist wichtig, um unterschiedlichste technische Vorgänge zu verstehen und sie einfach wiedergeben zu können. Denn oft besteht nicht die Möglichkeit, ein Produkt oder eine Anlage ein zweites Mal zu besichtigen oder überhaupt anzuschauen. „Außerdem gehört definitiv der sichere Umgang mit Sprache dazu“, hebt der Aalener Absolvent hervor. „Klar, die Texte, die ein Technischer Redakteur schreibt, folgen meist einem bestimmten Prinzip und erfordern keine großartigen lyrischen Fähigkeiten“, räumt er ein. „Aber gerade einfaches Formulieren bzw. komplizierte Inhalte einfach wiederzugeben erfordert eine gute Sprachkenntnis. Das richtige Wort zu finden, gerade hinsichtlich Übersetzungen, ist oft nicht einfach.“

Auf die Idee, zu einem Dienstleister zu gehen, brachte ihn eine ehemalige Kommilitonin, die auch bei der SL innovativ GmbH gearbeitet hatte. Auf seine Bewerbung hin bekam Sedler die Rückmeldung, dass gute Redakteure prinzipiell immer gesucht sind.

In den drei Jahren seiner Betriebszugehörigkeit hat Sedler als Projektleiter viele verschiedene Produkte und Projekte von Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen betreut. Schwertransportmodule, mit denen Windkraftanlagen oder ganze Schiffe an Land transportiert werden, projekttechnisch zu begleiten, zählt dabei sicherlich zu den anspruchsvollsten und interessantesten Aufgaben. In Dinkelsbühl wurden bislang Projekte für fast 600 Kunden umgesetzt. Wie anspruchsvoll ein Kunde ist, hängt hauptsächlich von der Unternehmensgröße ab. Kleinere Firmen überlassen meist alle Einzelheiten zur Erstellung der Dokumente dem Dienstleister, größere Unternehmen haben hingegen häufig strikte Vorgaben bezüglich Aussehen, Inhalt und Erstellungsprozess.

Rückblickend sagt Frank Sedler über sein Studium: „Es gibt einige Dinge, die mir im Beruf sehr geholfen haben, zum Beispiel Texte funktionsgerecht zu schreiben und unterschiedliche Informationen passend rüberzubringen. Auf der anderen Seite waren Vorlesungen oder Inhalte dabei, die meiner Meinung nach eher unwichtig waren. Dennoch gibt es Inhalte, die ich mir rückblickend ausführlicher in der Vorlesung gewünscht hätte, da diese aus meiner Sicht wichtig für Technische Redakteure sind, zum Beispiel der Umgang mit Normen und Richtlinien.“ In der aktuellen Studienprüfungsordnung (SPO) für das Studienangebot Technical Content Creation (ehemals Technische Redaktion) sind diese Inhalte eingebracht und in den entsprechenden Vorlesungen integriert.

 

Virtual Reality und Augmented Reality werden zunehmend präsent und wichtiger und werden voraussichtlich den zukünftigen Berufsalltag eines Technischen Redakteurs immer mehr prägen. Auch bei der SL innovativ GmbH wird an und mit diesen Technologien gearbeitet, die großes Potenzial haben. Viele Kunden des Dienstleisters sind ebenfalls angetan von deren Möglichkeiten. Das spürt man vor allem auf hauseigenen Messen oder der Jahrestagung der tekom (Gesellschaft für technische Kommunikation).

Tatsächlich eingesetzt werden sie bisher aber noch kaum. Maschinen werden zwar immer intelligenter und können oft selbst feststellen und signalisieren, wann welche Wartungstätigkeiten anstehen. Aber es braucht immer noch jemanden, der die notwendigen Schritte beschreibt, unabhängig davon, wie sie am Ende ausgegeben werden. Dazu meint der Technische Redakteur abschließend: „Ich kann mir vorstellen, dass das reine Schreiben von Texten zukünftig mehr in den Hintergrund treten wird und mehr multimediale Inhalte zum Einsatz kommen. Die Grundaufgabe eines Technischen Redakteurs wird wohl dieselbe bleiben, nämlich Informationen zu vermitteln. Nur die Mittel der Weitergabe und das Medium werden sich wohl ändern. Bis es so weit ist, wird es aber noch eine Weile dauern.“

 

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